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AmZ 34 (Nr. 12, 21.3.1832), Sp. 192–197. „Chelard's Macbeth, dessen Proben und erster Vorstellung der für die Kunst wahrhaft glühende, als Mensch höchst achtungswerthe und liebenswürdige Componist selbst beywohnte, imponirte am ersten Abend durch den kräftigen, kühnen, nicht selten originellen Geist, der in dieser Tondichtung waltet, sprach aber im Ganzen weit weniger das Gefühl an, als bey den Wiederholungen, in denen man sich mit dem wackern Werke näher befreundete, und nun auch mehre tief empfundene Sätze fand, die anfänglich nur durch äussern Glanz, auch wohl Flitter, z. B. überreiche, brillante, aber oft auch drückende Instrumentation, neue, doch nicht selten grelle, barocke Modulationen in ungünstigen Schatten gestellt, erst bey öfterm Anhören deutlich erkannt werden konnten. Hierzu kommt, dass mehre Sätze im Ganzen, wie im Einzelnen, eben so schwierig für die Auffassung als für die Ausführung sind und daher nur bey Wiederholungen gefallen können. Diese Bemerkung soll indess nicht geradehin Tadel seyn, da es ein sicheres Zeichen des innern Werthes eines Werkes ist, wenn es bey näherer Bekanntschaft steigt; nur in sofern ist sie tadelnd, als diese Oper, wie manche andere neuere Composition fast jeder Gattung recht absichtlich darauf auszugehen scheint, mit aller Gewalt überall neu und originell und in jeder Beziehung möglichst schwierig zu seyn. Wem sein gütiger Genius gestattet, immer neu in Wesen und Form zu seyn, der wird durch seine originellen Ideen und deren ungewöhnliche Ausführuug überall Bewunderung erregen, sich die höchste Achtung gewinnen und Anderen Freude und Lust schaffen; – wem das aber nicht von der Natur gegeben ist (und wie Wenige vermögen es?), der wird in dem planmässigen Suchen und Haschen nach Originalität keinen Ersatz finden und geben, sondern nur Absicht und Anstrengung merken lassen, was immer störend in die Wirkung eingreift. Was endlich die Schwierigkeit, die oft einer gewissen Steifheit und Unbeholfenheit sehr ähnlich sieht, anlangt, so kann es in jetziger Zeit, die nach Schwierigkeiten aller Art recht eigentlich zu streben scheint, nicht genug wiederholt werden, dass es kinderleicht sey, recht schwierig zu schreiben, aber sehr schwer, leicht und doch gut zu schreiben. Wer einen Beweis für diese Behauptung verlangt, der denke an die bekannte Erfahrung, dass alle Anfänger in der Regel schwierig und nur nach und nach leichter schreiben, und daran, dass die trefflichsten Werke aller Zeiten gerade die wenigsten Schwierigkeiten für Auffassung und Ausführung darbieten, und dass das Schönste, Erhabenste meist auch das Einfachste ist.“ (Ebd., Sp. 193f.)