Themenportal Wiedergutmachung
nationalsozialistischen Unrechts
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Vorhaben

Das Themenportal wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einen internationalen Gesamtzugriff auf das Dokumentenerbe der Wiedergutmachungsakten ermöglichen – und damit für wissenschaftliche Forschung und Bildungsprojekte aller Art von Bedeutung sein. Dies gilt viel mehr noch für die Familien und Nachkommen der Verfolgten selbst, die in den Akten oftmals wertvolle und teils unbekannte Hinweise zur eigenen Familien- und Identitätsgeschichte finden können.

In einer ersten Ausbaustufe können die wichtigsten Bestände aus den staatlichen Archiven des Bundes und der Länder ermittelt werden. Hintergrundinformationen zum historischen Kontext der Wiedergutmachungspolitik ergänzen die archivischen Inhalte. Sehr viele weitere Datensätze und digitalisiertes Archivgut – auch von kommunalen und freien Archivträgern –, ein sachthematischer und personenbezogener Zugang zu einzelnen Unterlagenarten und Angebote zur historischen Bildung werden folgen.

 

Die Partner des Themenportals

Das Bundesministerium der Finanzen

Logo des Bundesministeriums der Finanzen

Das Bundesministerium der Finanzen ist seit den frühen 1950er Jahren zuständig für die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts durch die Bundesrepublik Deutschland. Diese bisher überwiegend hinsichtlich ihrer materiellen Komponenten verstandene Aufgabe blickt mittlerweile leider der absehbaren Zeit entgegen, wenn keine Überlebenden von Shoa, Porajmos und NS-Terror mehr am Leben sein werden. Als Versinnbildlichung der Übernahme von Verantwortung nach den Menschheitsverbrechen im Nationalsozialismus ist die Wiedergutmachung indes auch konstitutiver Bestandteil der Demokratie- und Identitätsgeschichte Deutschlands. Einen Schlussstrich kann es deshalb nicht geben. Selbst wenn die materiellen Leistungen keine höchstpersönlichen Empfänger*innen mehr erreichen, gilt es fortan, den moralischen Aspekten der Verpflichtung zur Wiedergutmachung nachzukommen. Und diese endet nicht.

Die sich neu herausbildenden Folgeaufgaben der Wiedergutmachung sind nicht festgelegt, sondern entwickeln sich im Rahmen der Frage, wie die „moralischen Werte“ und Erfahrungen der Wiedergutmachung für die Demokratie- und Identitätsgeschichte Deutschlands fortgeführt und vermittelt und gleichzeitig die Interessen der Verfolgten dauerhaft gewahrt und ihr Andenken am Leben gehalten werden können.

Logo für die Transformation der Wiedergutmachung

Den hierfür nötigen, dauerhaften Dialog wollen wir führen. Das zeigt auch das neue Logo der Wiedergutmachung: Darüber reden, statt zu vergessen.

 

 

Die Deutsche Digitale Bibliothek

Logo der DDB

Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) schafft über das Internet freien Zugang zum Kultur- und Wissenserbe in Deutschland, indem sie die Bestände von Kultur- und Wissenseinrichtungen kostenfrei online zugänglich macht. Träger der DDB ist ein Kompetenznetzwerk bestehend aus 15 Kultur- und Wissenseinrichtungen. Organe des Kompetenznetzwerks sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand und das Kuratorium. Vorstand und Kuratorium werden bei der Erledigung ihrer Aufgaben durch eine Geschäftsstelle für die Bereiche Finanzen, Recht, Kommunikation und Marketing bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) unterstützt. Die Bereiche Technik, Entwicklung und Service der DDB werden von der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt (DNB) koordiniert. Technischer Betreiber der Infrastruktur des DDB-Portals sowie Softwareentwickler für die gesamte DDB ist FIZ Karlsruhe — Leibniz-Institut für Informations­infrastruktur. Neben dem Hauptportal https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/ betreibt die DDB eine Reihe weiterer Portale. Hierzu gehört das Archivportal-D, das eine für Archivbelange optimierte Sicht auf die Archivobjekte in der DDB bietet. Im Archivportal-D können Nutzende nach Archivgut in ganz Deutschland recherchieren und Digitalisate abrufen. Das Landesarchiv Baden-Württemberg, das den Aufbau des Archivportal-D koordiniert hat, ist für seine Pflege und Weiterentwicklung zuständig. Am Landesarchiv Baden-Württemberg ist auch die Fachstelle Archiv der DDB angesiedelt, die Archive bei der Teilnahme an der DDB und am Archivportal-D berät und unterstützt.

 

Das Landesarchiv Baden-Württemberg

Logo des Landesarchiv Baden-Württemberg

Das Landesarchiv Baden-Württemberg archiviert alle Unterlagen von bleibendem Wert von den Behörden, Gerichten und sonstigen Stellen des Bundeslandes Baden-Württemberg und seiner Vorgängergebiete seit dem Mittelalter. Es macht dieses Archivgut allgemein nutzbar und wertet es aus. Als landeskundliches Kompetenzzentrum wirkt das Landesarchiv aktiv an der kulturellen und historisch-politischen Bildung mit. Die Nutzung und Vermittlung erfolgt sowohl vor Ort an den Archivstandorten als auch über ein umfassendes Online-Angebot. Darüber hinaus führt das Landesarchiv als außeruniversitäre wissenschaftliche Einrichtung des Landes archiv- und informationswissenschaftliche Forschungsprojekte durch. In der Deutschen Digitalen Bibliothek ist das Landesarchiv als Mitglied im Kompetenznetzwerk sowie im Vorstand aktiv. Anknüpfend an seine Aufgaben als Sitz der Fachstelle Archiv der DDB sowie als Koordinator für das Archivportal-D übernimmt das Landesarchiv Baden-Württemberg im Rahmen des Aufgabengebiets „Wiedergutmachung“ die Entwicklung und Bereitstellung technischer Werkzeuge zur Datenaufbereitung sowie die Konzeption und Durchführung der Dateneinspielung. Darüber hinaus beteiligt sich das Landesarchiv an der fachlichen und informationswissenschaftlichen Begleitung des Themenportals „Wiedergutmachung“. Es wirkt mit bei der Erprobung des Einsatzes neuer Technologien in den Bereichen Digitalisierung, Erschließung und Zugänglichmachung und stimmt die Entwicklungsarbeiten des Archivportal-D mit der DDB ab.

 

Das Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur (FIZ)

Logo des FIZ Karlsruhe

Technisch implementiert und betreut wird das Themenportal Wiedergutmachung durch FIZ Karlsruhe, das auch den Betrieb des gesamten Archivportal-D und der Deutschen Digitalen Bibliothek verantwortet. Das Leibniz-Institut FIZ Karlsruhe ist eine der großen Einrichtungen für Informationsinfrastruktur in Deutschland. Im öffentlichen Auftrag versorgt es Wissenschaft und Forschung weltweit mit wissenschaftlicher Information, entwickelt dafür Produkte und Dienstleistungen und betreibt angewandte Forschung.

 

Das Bundesarchiv

Logo des Bundesarchivs

Das Bundesarchiv trägt die Verantwortung für die archivfachliche Gestaltung des Portals und die Angebote zur historischen Bildung. Es konzipiert die technische Umsetzung im Rahmen des Archivportal-D und die weitere Gesamtausrichtung des Portals im Austausch mit den nationalen und internationalen Partnern. Im Geschäftsbereich der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien hat das Bundesarchiv die Aufgabe, das Archivgut des Bundes auf Dauer zu sichern, nutzbar zu machen und wissenschaftlich zu verwerten. Dazu gehören in der Hauptsache die Unterlagen, die bei zentralen Stellen des Deutschen Reiches (1871–1945), der Besatzungszonen (1945–1949), der Deutschen Demokratischen Republik (1949–1990) und der Bundesrepublik Deutschland (seit 1949) entstanden sind.

 

Archivfachliche Begleitung

Logo der KLA

Die Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Archivverwaltungen des Bundes und der Länder (KLA) unterstützt und begleitet das Projekt „Transformation der Wiedergutmachung“ von Beginn an. Seit August 2020 bündelt eine KLA-Arbeitsgruppe die gemeinsamen Aufgaben der staatlichen Archivverwaltungen im Zusammenhang mit diesem Vorhaben. Dazu gehören die archivfachliche Begleitung des Projekts und seiner Akteure, die Beratung des Bundesministeriums der Finanzen, zudem die Förderung der Vernetzung mit Vertreter*innen von Nutzergruppen aus Wissenschaft und Gesellschaft. Mit Mitgliedern in der KLA-AG vertreten sind das Bundesarchiv sowie die Landesarchivverwaltungen von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Vorsitz: Dr. Michael Unger (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns)

Stellv. Vorsitz: Dr. Clemens Rehm (Landesarchiv Baden-Württemberg)

 

Weitere archivische Projekte

Der vom BMF als „Folgeaufgabe der Wiedergutmachung“ verstandene Auftrag, die Auseinandersetzung mit diesem national wie international intensiv diskutierten Kapitel deutscher Zeitgeschichte anzuregen und die Beschäftigung mit der komplexen archivischen Überlieferung zu ermöglichen, umfasst mehr als die Gestaltung und den Ausbau dieses Themenportals. Eine Rahmenvereinbarung, abgeschlossen am 1. Juni 2022 zwischen dem Bundesministerium der Finanzen und den Archivverwaltungen der Länder und des Bundes, bietet die Grundlage für eine ganze Reihe weiterer Projekte zur Digitalisierung, Erschließung und Bereitstellung von einschlägigem Archivgut sowie zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz für einen vereinfachten Zugang. Zwei solcher Maßnahmen sind bereits in der Umsetzungsphase und werden hier vorgestellt – zahlreiche weitere Projekte werden folgen.

 

Projekt des Landesarchivs Baden-Württemberg

Als erstes startete am 1. Juni 2020 beim Landesarchiv Baden-Württemberg ein vom Bundesministerium der Finanzen gefördertes Pilotprojekt mit einer Laufzeit von 36 Monaten.

In einer ersten Projektphase erfolgte die Erschließung des Sachaktenbestands StAL EL 350 II aus der Provenienz des bis 1992 bestehenden Landesamts für die Wiedergutmachung in Stuttgart. Außerdem wurden Einzelfallakten zu Entschädigungsverfahren testweise in verschiedenen Erschließungstiefen verzeichnet, um u. a. Erfahrungswerte zur Erschließung der Wiedergutmachungsüberlieferung für die archivübergreifende Diskussion zu gewinnen.

In einem zweiten Teilprojekt werden ausgewählte Unterlagen zu den Entschädigungsverfahren bei den Landesämtern für die Wiedergutmachung in Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Tübingen vollständig digitalisiert. In Zusammenarbeit mit dem FIZ Karlsruhe sollen mit Hilfe dieser Digitalisate automatische Verfahren zur Text- und Mustererkennung ausprobiert werden, um so die Möglichkeiten einer KI-gestützten Anreicherung von Erschließungs- und Normdaten auszuleuchten.

In einem dritten Teilprojekt entstehen Auswertungs- und Nutzungsszenarien zu den Wiedergutmachungsunterlagen sowie ein Online-Rechercheratgeber mit einer zweisprachigen Aktenbeschreibung und Nutzungshinweisen. Außerdem werden Angebote für die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit entworfen, wie (Online-)Seminare zur Nutzung von Wiedergutmachungsakten oder das Podcastprojekt „Sprechende Akten“. Einige Ergebnisse des Pilotprojekts des Landesarchivs Baden-Württemberg werden im Herbst 2022 im Rahmen einer Themenwoche vorgestellt werden.

 

Projekte des Bundesarchivs

Das Bundesarchiv beabsichtigt, bereits bewertete und erschlossene Unterlagen zu grundlegenden Angelegenheiten, Gesetzen und Verordnungen zur Wiedergutmachung aus den Bundesarchiv-Beständen B 126 (Bundesministerium der Finanzen) und B 136 (Bundeskanzleramt) zu digitalisieren und online zu stellen.

Antrags- und Entschädigungsakten der International Organization for Migration, die im Rahmen des Zwangsarbeiter-Entschädigungsprogramms und der Entschädigung von Vermögensschäden entstanden sind, sowie sogenannte Queranträge, die sowohl das deutsche Zwangsarbeiter-Entschädigungsprogramm als auch das Holocaust Victim Assets Programme (Swiss Banks) betreffen (Bestand B 439), werden tief erschlossen und – soweit rechtlich möglich – online gestellt. Die von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft übernommenen Datenbanken sollen nutzbar gemacht werden.

Weitere Teilprojekte beschäftigen sich mit der Erschließung und Digitalisierung negativ beschiedener Lastenausgleichsverfahren zu jüdischem Vermögen im Bestand ZLA 3 sowie mit der Digitalisierung der „Verfolgtenakten“ im Bestand ZLA 1. Bei den „Verfolgtenakten“ handelt es sich um Akten zu Lastenausgleichsverfahren, in denen die 11. Leistungsdurchführungsverordnung für Vermögen von Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes zur Anwendung kam. Eine Herausforderung ist die Identifizierung unerkannter Lastenausgleichsakten von Veräußerern und Erwerbern jüdischen Vermögens im Bestand ZLA 1. Ziel ist es, anhand eines Clusters systematisch Archivgut zu ermitteln, das in einem Kontext zu Arisierungen steht. Dafür werden einerseits OCR- und KI-Technologien erprobt und andererseits Personal zur Untersuchung der Akten per Autopsie eingesetzt, um auf diese Weise den Wirkungsgrad der eingesetzten Technologie zu ermitteln.

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