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Archive stellen sich vor - Das Archiv der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin

Von Archivportal-D

Die 1916 in Berlin gegründete Fürst Donnersmarck-Stiftung (FDST) gestaltet Angebote für Menschen mit Behinderung und setzt sich dafür ein, sie bei ihrer möglichst selbstbestimmten Lebensführung zu unterstützen. Das Archiv der FDST ist eine vergleichsweise junge Einrichtung. Seine Anfänge gehen auf das 1991 gefeierte 75. Jubiläum der Stiftung zurück. Erstmals systematisch aufgestellt und erschlossen wurden die Bestände ab 2002. Seither sammelt und verwaltet das Archiv das bis in die jüngste Vergangenheit zurückreichende Schriftgut der FDST. Es verwahrt Akten zur Geschichte der Stiftung und bietet zugleich Einblicke in die Geschichte der Menschen mit Behinderung sowie die sozialpolitischen Veränderungen in der BRD seit Anfang der 1950er Jahre.

Die aus der Gründungsphase der FDST überlieferten Akten spiegeln die ursprüngliche Ausrichtung der Stiftung als militärärztliche Rehabilitations- und Forschungseinrichtung wieder. Neben der pflegerischen Unterstützung und Rehabilitation von Kriegsversehrten wollte die Stiftung die ärztlichen Erfahrungen des Weltkrieges sammeln und wissenschaftlich auswerten.

Telegramm Wilhelm II. an Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck mit dem Dank für die Übertragung der Stiftung (Abschrift)

Telegramm Wilhelm II. an Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck mit dem Dank für die Übertragung der Stiftung (Abschrift), FDST Zen-1 (Copyright: FDST)

Durch den Verlust ihres Stiftungskapitals in der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg konnte die FDST diese Absichten jedoch nicht verwirklichen. Ihre eigentliche operative Tätigkeit nahm sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Daher liegt der Schwerpunkt ihrer Überlieferung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ab den 1950er Jahren engagierte sich die Stiftung zunächst vor allem im Bereich der Freizeitgestaltung und Beratung von Menschen mit Behinderung. In Berlin-Zehlendorf erwarb sie dazu eine Villa und baute diese zu einer barrierefreien Begegnungsstätte aus. Die aus dieser Zeit überlieferten Personenstammblätter von Besuchern der ‚Villa Donnersmarck‘, ihre Berichte und die Fotos von Gruppenaktivitäten geben Einblicke in das Leben von Menschen mit Behinderung in der frühen Nachkriegszeit. Das trifft auch auf Fotoalben der sogenannten „Fahrten des Guten Willens“ zu, welche die FDST ab Mitte 1955 organisierte.

Fotoalbum der ersten „Fahrt des Guten Willens“ nach Orelinghausen

Fotoalbum der ersten „Fahrt des Guten Willens“ nach Orelinghausen (Copyright: FDST)

Die Erholungsreisen, die unter diesem Motto stattfanden, waren für in West-Berlin lebende Menschen mit Behinderung oft die einzige Möglichkeit, die Stadt zu verlassen und zu verreisen. Ab den 1960er Jahren baute die Stiftung zudem ihr Engagement in den Arbeitsbereichen Rehabilitation und Wohnen sowie barrierefreier Tourismus kontinuierlich aus. Heute sind diese Arbeitsbereiche ihre größten Tätigkeitsfelder.

Einige TeilnehmerInnen der „Fahrten des Guten Willens“ mussten als ‚Republikflüchtlinge‘ nach Westdeutschland ausgeflogen werden

Einige TeilnehmerInnen der „Fahrten des Guten Willens“ mussten als ‚Republikflüchtlinge‘ nach Westdeutschland ausgeflogen werden (Copyright: FDST)

Aus der Frühphase der FDST sind zudem die Ausgaben der seit 1954 ununterbrochen erscheinenden Zeitschrift WIR vertreten. Anfangs wurde die Zeitschrift in Eigenregie von den GruppenteilnehmerInnen geschrieben und in gehefteten Kopien verteilt. Mit der Zeit mauserte sich die Zeitschrift zu einer mehrmals im Jahr erscheinenden professionell produzierten, aber inklusiv erstellten Publikation, die aktuelle Themen behandelt, die Menschen mit Behinderung interessieren.

Titelblatt der Stiftungszeitschrift WIR von Juli 1977

Titelblatt der Stiftungszeitschrift WIR von Juli 1977, FDST Pub-9 (Copyright: FDST)

Zu den bedeutenden Beständen des Archivs zählen daneben die seit 1918 nahezu vollständig überlieferten Protokolle der Kuratoriumssitzungen der FDST. Weiterhin verwahrt das Archiv Schriftgut aus der Verwaltung, einige Handakten von Kuratoriumsmitgliedern, ein Foto-, Audio- und Filmarchiv sowie Akten die über die Tätigkeiten der Stiftung in den Bereichen neurologische Rehabilitation, betreutes Wohnen und Assistenz Auskunft geben.

Bestandsübersicht des Archivs der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin im Archivportal-D.

Kontakt:

Archiv der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin
Mainzer Straße 19
10715 Berlin

https://www.fdst.de/archiv

 

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